Donnerstag, 5. September 2013
Eine von Vielen
Ich bin eine von Vielen.

Eine Frau in Deutschland, eine von über 41 Millionen.
Alleinerziehende Mutter, eine von vielen, berufstätig in Teilzeit, arbeitend und wohnend in einer Kleinstadt, einer norddeutschen.

Das alles ist nichts Besonderes, das unterscheidet mich nicht von Vielen.

Ich habe ein Grundschulkind, einen Beruf und eine Arbeitsstelle. Eine Wohnung, einen Garten, eine große Familie und gute Freunde. So wie Viele.

Ich habe aber auch etwas, das mich von Vielen unterscheidet.

Ich habe ein Kindergrab auf dem örtlichen Friedhof, weil ich neunzehn Monate lang ein zweites Kind hatte.

Kinder können sterben, sie können sogar schon tödlich erkrankt geboren werden und uns ist genau das passiert. Zum Glück bin ich damit nicht eine von Vielen.

Ich bin aber auch nicht allein, ich habe in den vergangenen Jahren einige Frauen kennengelernt, die ähnliches erlebt haben. Sie sind zu Freundinnen geworden. Ohne unsere Kinder hätten wir uns nicht getroffen, denn wir sind überall in Deutschland, aber wenn wir uns sehen, dann lachen und weinen wir gemeinsam, wir verstehen uns. Uns verbindet etwas, und so sind wir nicht viele, aber auch nicht die Einzigen. Übrigens lachen wir auf unseren Treffen sehr viel mehr als das wir weinen.

Bei einem dieser Treffen, ca. 350 km von meinem Zuhause entfernt, habe ich erfahren, dass nur 20 km von mir entfernt eine Familie wohnt, die ähnliches erlebt hat. Gleiche Erkrankung, gleicher Ausgang.
Da fühlt man sich so allein mit seiner Geschichte und so nah ist jemand, dem es ähnlich geht und man weiß es nicht.

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